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Autor: Frank Kunisch

Frank Kunisch kommt eigentlich aus der Vermarktung von IT-Produkten und Services und war über 10 Jahre für das Kampagnen-Management des weltweit größten IT-Distributors Ingram Micro mitverantwortlich. Mit dem Aufbau eines eigenen Blogs kam er verstärkt mit dem Thema Online-Marketing in Berührung. Seit Anfang 2016 ist er bei LandwirtOnline24 als Projektmanager, Redakteur und Content-Manager tätig.

Unser Landwirt des Monats

Wir stellen Euch regelmäßig Menschen vor, die ihren Beruf lieben und mit Leib und Seele Landwirte sind. Ob großer oder kleiner Betrieb, Biogasproduzent, Geflügelhof, Käserei, Pferdezucht oder Betrieb mit Schottischen Hochlandrindern, ob bio oder konventionell, hier lernt ihr interessante Kollegen kennen!

Im Februar ist es der Betrieb von Michael Reber in Gailenkirchen!

Landwirtschaft trifft Öffentlichkeitsarbeit

Unser neuer Landwirt des Monats ist der landwirtschaftliche Betrieb von Familie Reber in Gailenkirchen bei Schwäbisch Hall, gelegen am Ostabfall der Waldenburger Berge, den nördlichsten Ausläufern des Schwäbischen Waldes. Michael Reber betreibt heute Schweinemast, Ackerbau und gemeinsam mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall eine Biogasanlage.

Doch beginnen wir im Jahre 1851. Bis dahin reichen die ältesten vorliegenden Dokumente der Familie zurück. Demnach sind Michael Reber und seine Frau auf dem Hof bereits in der 6. Generation tätig. Zunächst von Vater Reber Senior als klassischer Gemischtbetrieb mit Schweinen, Kühen und Hühnern betrieben, wurde mit der Aussiedlung des Betriebes 1976 auf Schweine-Herdbuchzucht spezialisiert, also auf die Erzeugung von Jungsauen und Jungebern für die damals noch florierende Ferkelerzeugung in Hohenlohe. Als Zuchtbetrieb mit besonders hohem Gesundheitsstatus (SPF-Betrieb) gingen die besten weiblichen Tiere an andere Zuchtbetriebe und die besten Eber an die Besamungsstationen im Land.

Schweinekrankheit 2006 sorgt für Rückschlag

Mit dem Ausbruch der Schweinekrankheit PRRS Anfang 2006 fielen jedoch von heute auf morgen nahezu die Hälfte der Kunden weg, da der Hochgesundheitsstatus nicht mehr garantiert werden konnte und die Mehrheit der Kundschaft nur Tiere mit diesem Status kaufen wollte bzw. durfte. Dadurch hatte der Betrieb der Rebers im Sommer 2006 fast keine Schweine mehr im Stall, und das obwohl zu diesem Zeitpunkt die Nachfrage nach Grillartikeln aufgrund der Fußball-WM und damit der Schweinepreis enorm hoch war.

Der Betrieb bekam zwar von der Versicherung den direkten Schaden im Stall ersetzt, nicht aber die finanziellen Nachwirkungen durch den Verlust der Kundschaft. Ab 2007 ging es dann zudem noch mit der Ferkelerzeugung in Hohenlohe abwärts, so dass Ende 2009 entschieden wurde, aus der Herdbuchzucht komplett auszusteigen und die Ferkel selbst zu mästen.

Biogasanlage als neues Standbein

Aufgrund der finanziellen Probleme durch die Schweinezucht setzte Familie Reber mit dem Bau einer Biogasanlage in Kooperation mit den örtlichen Stadtwerken 2009 auf ein neues Standbein. Diese Chance ergab sich mit dem EEG 2009, das Biogasanlagen auch für kleinere Betriebe wirtschaftlich machte. Das Konzept war 2009 noch einzigartig: eine Biogasanlage mit Biogasproduktion auf dem Land und Biogas-Verwertung in der Stadt als gemeinsames Projekt zwischen Landwirt und Energieversorger.

Aktuell wird die Biogasanlage mit 65% Gülle und Mist betrieben, die restlichen 35 % sind Grassilage, Ganzpflanzensilage (Roggen-Wicken-Gras-Gemenge) und Maissilage. Die Maissilage wird zu 50% von anderen Landwirten geliefert, so dass der Reber-Hof immer eine für den Boden schonende Fruchtfolge betreiben kann.

2015 erfolgte eine Erweiterung der Biogasanlage von 400kW auf rund 600kW Leistung. Die Anlage soll noch auf 750kW wachsen, da aktuelle Gesetzesänderungen dies erforderlich machen.

270 ha Ackerland und Grünland

Der Hof bewirtschaftet heute 250 ha Ackerland, davon 40 ha als Lohnbewirtschaftung für einen Betrieb, der ebenfalls mit der Tierhaltung aufgehört hat und dessen Betreiber jetzt arbeiten geht. Auf den Flächen werden Silomais (mit Grasuntersaaten), Getreide-Gemenge (beides für die Biogasanlage) sowie etwas Wintergerste (für die Schweine) und Winterweizen (als Brauweizen) angebaut.

Dazu kommen 20 ha Grünland mit 200 Streuobstbäumen, deren Früchte zum Teil als Bio-Apfelsaft und zum Teil als Bio-Streuobst vermarktet werden. Der Pachtanteil beträgt mittlerweile 90%.

Schweinezucht

Weitere Anpassungen bei der Schweinezucht

Zum Jahresende 2012 musste sich der Betrieb an die neue Schweinehaltungsverordnung anpassen und war gezwungen eine Entscheidung zu treffen. So stand Familie Reber vor den Alternativen, entweder die Muttersauen zu reduzieren, um ihnen mehr Platz zu geben, einen Neubau für die Muttersauen anzugehen oder die Muttersauen ganz abzuschaffen und nur noch Schweinemast zu betreiben. Im Sommer 2012 wurde schließlich die letzte dritte Variante gewählt.

Die Schweinehaltung wurde in den drei folgenden Jahren zu mehr Tierwohl hin umgebaut. Dies wurde ab Juni 2015 auch von der „Initiative Tierwohl“ finanziell mitgetragen. Die Tiere verfügen daher über mindestens 10% mehr Platz als gesetzlich gefordert und haben alle Zugang zu Stroh in Form von Strohraufen. Die Schweine werden am Schlachthof Crailsheim geschlachtet, so dass sie maximal 45 Minuten transportiert werden müssen.

Ab Januar 2016 gingen jedoch die Schweinepreise tief in den Keller. Jedes Tier bedeutete rund 20€ Verlust. Im April 2016 wurde daher entschieden, keine Ferkel mehr zuzukaufen und damit die Schweinemast auslaufen zu lassen. Da ein Stall allerdings erst im Winter 2012/2013 umgebaut wurde, werden diese Plätze (max. 400) vorerst noch weiter betrieben um einen Direktverkauf zu etablieren. Auch „Tier-Patenschaften“ sind angedacht. Sollte dies nicht funktionieren, wird der Direktverkauf jedoch letztendlich auch ein Auslaufmodell sein.

Humus-mehrende Landwirtschaft als Alleinstellungsmerkmal

Nach dem Besuch eines Bodenkurses bei Dietmar Näser und Demeter-Landwirt Friedrich Wenz legt Familie Reber seit vergangenem Jahr im Ackerbau ihren Fokus noch stärker als bisher auf den Humusaufbau und eine deutliche Reduzierung von mineralischer Düngung und chemischen Pflanzenschutz. Ob hier am Ende die Umstellung auf Ökolandbau steht, wissen die Rebers allerdings heute noch nicht.

Im Moment ist die Art und Weise des Ackerbaus mit Humus-mehrender Landwirtschaft auch das, was die Rebers von anderen (konventionellen) Betrieben abhebt. Diese Form des Pflanzenbaus war auch der Grund für eine Nominierung zum CeresAward der dlz.

Der Direktvertrieb von Schweinen oder Apfelsaft sind hingegen noch „zarte Pflänzchen“, von denen sich der Apfelsaft sehr gut entwickelt und weiter ausbaut wird. 

Innovative Landwirtschaft

Landwirtschaft in den Sozialen Medien

Michael Reber betreibt neben seinem Hof auch die Website http://innovativelandwirtschaft.de/ als persönlichen Blog, auf dem er zum einen Teile des Betriebes erklärt oder politische Dinge im Zusammenhang mit der Landwirtschaft beleuchtet, aber zum anderen auch, was seine Familie bewegt. Der Blog war eine Reaktion auf seine langjährigen Aktivitäten in den sozialen Medien wie z.B. auf Facebook, bei denen er den Eindruck gewonnen hatte, dass sich nur noch Landwirte untereinander liken und teilen.

Michaels Anliegen war es aber schon immer mehr Kontakt zu den Verbrauchern zu bekommen. Der Blog soll daher Fakten mit Emotionen verbinden und öffentliche Diskussionen wie z.B. über Glyphosat, hinterfragen und aus unterschiedlichen Standpunkten betrachten.

Öffentlichkeitsarbeit findet aber auch ganz klassisch in Form von Hofführungen statt. Das findet Michael in diesem Zusammenhang extrem wichtig. In diesem Jahr steht auch schon zum zweiten Mal ein Volkshochschulkurs mit Führung über den Hof an.

 Eine neue Idee ist jedoch, mit Bildern und Videos weitere (aktuelle) Themen und auch einfach die Abläufe im Betrieb zu erklären, da es immer wieder Verbraucherfragen zu ganz banalen Dingen in der Landwirtschaft gibt.

Oberstes Ziel ist dabei immer, das Vertrauen der Verbraucher zu den Landwirten zu stärken. Dass dazu viel Öffentlichkeitsarbeit notwendig ist, haben laut Michael Reber viele Berufskollegen leider noch immer nicht verstanden. Wichtig sei dabei absolute Ehrlichkeit und Authentizität. Auf seinem Blog herrscht daher auch immer totale Transparenz. Nur so kann Vertrauen aufbaut werden.

Mit seinem Motto: „Stelle Dich immer zuerst selbst in Frage, bevor Du mit dem Finger auf andere zeigst.“ bzw. „Wie kann ich die Welt ein Stück besser machen und auch davon leben?“ möchte Michael Reber neue Wege einschlagen, die die Landwirte auch wieder ein Stück weit unabhängiger werden lassen.

Michael Reber im Gespräch mit Jörg Simm