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Autor: Frank Kunisch

Frank Kunisch kommt eigentlich aus der Vermarktung von IT-Produkten und Services und war über 10 Jahre für das Kampagnen-Management des weltweit größten IT-Distributors Ingram Micro mitverantwortlich. Mit dem Aufbau eines eigenen Blogs kam er verstärkt mit dem Thema Online-Marketing in Berührung. Seit Anfang 2016 ist er bei LandwirtOnline24 als Projektmanager, Redakteur und Content-Manager tätig.

Landwirt des Monats

Wir stellen Euch regelmäßig Menschen vor, die ihren Beruf lieben und mit Leib und Seele Landwirte sind. Ob großer oder kleiner Betrieb, Biogasproduzent, Geflügelhof, Käserei, Pferdezucht oder Betrieb mit Schottischen Hochlandrindern, ob bio oder konventionell, hier lernt ihr interessante Kollegen kennen!

Im April ist es der Betrieb von Josef Orterer!

Unser neuer Landwirt des Monats ist Josef „Sepp“ Orterer aus der Jachenau zwischen Lenggries und dem wunderschönen Walchensee. Neben der Weidemast und einer Hofkäserei betreibt Familie Orterer auch Ferienwohnungen für Familien und den Urlaub auf dem Bauernhof.

Der Hof des Langerbauern in der Jachenau entstand durch eine Dreiteilung des Betriebes der Geruoner im Jahre 1514. Bis dahin gab es nur diesen einen Betrieb, der als Ansiedlung in den Chroniken im Jahre 1192 erstmals erwähnt wird. Durch die Aufteilung des ursprünglichen Hofs entstanden die noch heute bestehenden Höfe des Krinnerbauern, des Cölestinbauern und des Langerbauern.

Seit dieser Zeit ist der Langerbauernhof in ununterbrochenem Besitz der Familie Orterer. 1858 wurde der Hof, so wie er auch noch heute besteht, als typischer oberbayrischer Einfirsthof vom damaligen Besitzer Kaspar Orterer errichtet.

Die zum Hof gehörige 1868 erbaute Staffelalm steht auf 1320 m über NN unterhalb des Rabenkopfs. Sie diente bis 1984 über den Sommer hinweg als Wohnung für das Almpersonal.

Zum Besitz gehören 24 Hektar Grünland im Tal, 24 Hektar Almweide und 110 Hektar Forst.

Mehr als „nur“ Weidemast

Das Interessante am Hof der Familie Orterer ist aber nicht nur die Mischung aus Weidemast, Käserei und Urlaub auf dem Bauernhof, sondern vor allem die Werte nach denen der Hof ausgerichtet ist. Natur und Landwirtschaft werden hier als ganzheitliches System betrachtet. So wird z.B. darauf geachtet, dass die Anzahl der Tiere mit der Fläche des Betriebes in Einklang stehen. Schlagworten wie „Massentierhaltung“, „Vermaisung der Landschaft“ oder „Tierfutterimporten“ wird so bewusst entgegengetreten.

Aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung in der Landwirtschaft und familiärer Umstände wurde 2012 die Milchkuhhaltung aufgegeben und der Betrieb auf Weidemast umgestellt. Die Tiere bekommen dabei jedoch nur das zu fressen was das Grünland bietet, also Gras und Heu. Das Grünland steht dabei auch in keiner Konkurrenz zu Feldfrüchten wie Getreide, Mais oder Kartoffeln, da hier gar keine ackerfähigen Flächen möglich wären. Die Rindermast ist somit zwingend notwendig, da das Gras nur über den Rindermagen verwertet werden kann. Die Pflege der Kulturlandschaft und die Rindermast gehen hier also Hand in Hand.  Zudem wird die Empfehlung für Biobetriebe mit 2,0 Großvieheinheiten (GV) pro Hektar Grünland mit 0,6 GV sogar noch deutlich unterschritten. Im Jahre 2017 erfolgte dann auch die Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise mit einem komplett neuen Laufstall.

Auf dem Langerbauernhof entstand in diesem Zusammenhang und in Zusammenarbeit mit LandwirtOnline24 auch die Idee zu „Grow your own Steak“ - einer ganz besonderen Partnerschaft zwischen Verbraucher und Landwirt. Durch die Beteiligung an seinem eigenen Tier wird der Verbraucher so auch zum Erzeuger. Wir werden über diese innovative Idee bald ausführlich auf unserer Plattform berichten.

Staffelalm

Die „Sommerfrischler“ kommen gerne!

Der Urlaub auf dem Bauernhof hat eine lange Tradition am Hof der Familie Orterer, denn bereits vor dem ersten Weltkrieg waren die „Sommerfrischler“ gern gesehene Gäste am Hof. Abseits vom Durchgangsverkehr und mit einmaligem Blick auf die umliegende Bergwelt kann man hier in exponierter Lage Ruhe und Erholung finden oder zu abwechslungsreichen Wanderungen, Rad- und Langlauftouren aufbrechen. Dafür stehen fünf stilvoll eingerichtete Zimmer und Ferien-wohnungen für 2-6 Personen zur Verfügung.

Jachenauer Bergkäse

Der Jachenauer Bergbauernkäse

Käse wurde auf dem Hof bereits seit 1999 hergestellt. 2010 erfolgt dann der Umzug in die von der EU-Zulassung vorgeschrieben Käserei in einen Neubau auf dem Hof. Der Käse (z.B. der Jachenauer Bauernkäse) wird nur aus Jachenauer Milch hergestellt und in Zusammenarbeit mit dem „Tölzer Kasladen“ überwiegend regional angeboten. Dabei werden auch neue Sorten entwickelt und vermarktet. Als Feriengast hat man natürlich die Möglichkeit die Käserei zu besuchen und mehr über die Käseherstellung zu erfahren.

Sepp Orterer betreibt seinen Hof allein mit Unterstützung der Familie, einer 450 € Kraft in der Käserei, einer Aushilfskraft für die Ferienwohnungen und mit Almpersonal in der Sommer-Zeit. Trotzdem gelingt es die arbeitswirtschaftlich extensive Rindermast zu meistern und Käserei und Ferienwohnungen im Nebenerwerb zu betreiben.

Alles ganz nach Sepp Orteres Wahlspruch „Auch als Landwirte sind wir Unternehmer und keine Unterlasser“. Dass „unternehmerisch“ zu leben sich nicht nur auf rein wirtschaftliches Unternehmertum bezieht, sondern auf weit tiefere Denk- und Lebensstile, die sich hier auf Natur, Umwelt und Region beziehen, zeigt das Unternehmen „Orterer“ beispielhaft.