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Autor: Frank Kunisch

Frank Kunisch kommt eigentlich aus der Vermarktung von IT-Produkten und Services und war über 10 Jahre für das Kampagnen-Management des weltweit größten IT-Distributors Ingram Micro mitverantwortlich. Mit dem Aufbau eines eigenen Blogs kam er verstärkt mit dem Thema Online-Marketing in Berührung. Seit Anfang 2016 ist er bei LandwirtOnline24 als Projektmanager, Redakteur und Content-Manager tätig.

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Unser Landwirt des Monats

Wir stellen Euch regelmäßig Menschen vor, die ihren Beruf lieben und mit Leib und Seele Landwirte sind. Ob großer oder kleiner Betrieb, Biogasproduzent, Geflügelhof, Käserei, Pferdezucht oder Betrieb mit Schottischen Hochlandrindern, ob bio oder konventionell, hier lernt ihr interessante Kollegen kennen!

Im Juli ist es der Biogas Betrieb der Familie Huber in Elsendorf!

Biogas und Pistenraupe!

So kreativ sind die Hubers

Die Geschichte des Huber-Bauernhof in Elsendorf beginnt vor über 100 Jahren als ganz normaler landwirtschaftlicher Betrieb. In der mittlerweile 4. Generation ist aus dem ehemaligen Bauernhof jedoch ein hochmodernes Unternehmen geworden - mit einem im Vergleich zu klassischen agrarwirtschaftlichen Betrieben gänzlich anderem Geschäftsmodell. Wie es dazu kam und was den Hof so einzigartig macht, wollte ich mir selbst ansehen.

„Untypisch“ hier gleich „einzigartig“

Eigentlich nur für ein Erstgespräch verabredet, beindruckt mich das Betriebsgelände schon bei meiner Ankunft so sehr, dass mir Sohn Lukas Huber nach einer herzlichen Begrüßung sofort eine Besichtigungstour anbietet. Trotz seiner jungen 19 Jahre präsentiert er mir souverän und äußerst fachkundig einen „untypischen“ landwirtschaftlichen Betrieb, der sich jedoch mit vielen individuellen, kreativen Details und intelligenten Lösungen als äußerst innovativ herausstellen sollte.

Vorausschauend geführt und unternehmerisch alles richtig gemacht

Eine Portion Pioniergeist und Entschlossenheit führten zu einem radikalen Umbau des Unternehmens, der in Folge auch konsequent durchgezogen wurde. Frühzeitig erkannte Vater Markus Huber die Chancen der Marktentwicklung im Bereich Biogas, so dass heute aus dem ehemaligen Bauernhof ein erfolgreiches Biogasunternehmen geworden ist. Die noch bis 2009 mit 40 Kühen betriebene Milchwirtschaft wurde wie andere absehbar unrentable Bereiche frühzeitig aufgegeben und durch neue zukunftsfähige Geschäftsfelder ersetzt. Die heutige, im Jahre 2005 zusammen mit einem Partner gegründete HP Biogas GmbH, hat ihr Geschäftsmodell über die Jahre konsequent erweitert und optimiert, erfahre ich von Lukas Huber.

„So finden sich quasi an jeder Ecke unsere Betriebes Besonderheiten in Form intelligenter Detail-Lösungen“, ergänzt er stolz seinen Bericht und zeigt mir auf unserem Rundgang was er damit meint.

Optimiert bis ins kleinste Detail

Wurden zum Beispiel früher Lohn-Dienstleister eingesetzt, um die Silage zu schieben bzw. zu verdichten, ist heute die HP Biogas wohl der erste Betrieb, der mittels Einsatz einer Pistenraupe höchst effizient und kostengünstig Silageverdichtung betreibt.

Silageverschiebung mit dem Pisten Bulli
Silageverschiebung mit dem Pisten Bulli

Der gesamte Output der Biogasanlage wird zu nahezu 100% einer profitablen Nutzung zugeführt. Das entstehende Biogas wird in das Netz der Bayernwerk AG eingespeist und dabei den Gewinn maximierend gesteuert. Im Zuge flexibler Vergütungsregelungen wird das Gas in den großvolumigen Tanks der Anlage zwischengelagert und immer dann der Einspeisung zugeführt, wenn Bedarf gegeben ist und somit die höchsten Preise für die Einspeisung geboten werden.

Die produzierte Abwärme wird für die Beheizung der Betriebsgebäude eingesetzt sowie für die Trocknung des von Bauern aus der Umgebung angelieferten Brennholzes genutzt. Die Gülle wird an Bauern aus der Region verkauft, die regelmäßig zum Abpumpen bei den Hubers anfahren. Noch verbleibende Gülle wird zur Düngung der eigenbewirtschafteten Felder verbraucht.

Darüber hinaus ist die HP Biogas im Bereich Silage breit aufgestellt und einer der wenigen Betriebe, die neben Grassilage auch Maissilage und GPS (Ganzpflanzensilage) verarbeiten kann. Die Anlage ist somit kontinuierlich bei fast 100% Kapazitätsauslastung angekommen und produziert ein Einspeisevolumen von 1,4 Megawatt bei einem Silage-Einsatz von beindruckenden 60 Tonnen pro Tag.

Prinzipiell ist die HP Biogas in der Lage auf ihren rund 500 Hektar Pachtfläche, auf denen in Eigenregie Gras, Mais und Getreidepflanzen angebaut werden, den täglichen Silagebedarf selbst zu produzieren. Vorausschauend werden aber immer anteilig Silagen von Partnern eingekauft, um einen temporären Mehrbedarf flexibel auszugleichen zu könne. Jährlich werden so von einem festen Kundenstamm ca. 20% des Inputs beigesteuert.

Betriebsgelände der HP Biogas
Anlage der HP Biogas

Technik auf höchstem Niveau

Laut und heiß wird es, als wir den Generator-Raum des Betriebes betreten. Drei Generatoren laufen hier auf Hochtouren. Betrachtet man diese Generatoren, sieht man nicht nur den technischen Fortschritt, sondern vor allem den damit einhergehenden fortlaufenden Investitionsbedarf. So mutet der erste Generator, der im Jahre 2005 angeschafft wurde, neben der modernsten der Maschinen aus dem Jahre 2010 bereits nahezu wie ein Museumsstück an.

Auch im umfangreichen Fuhrpark sieht man ganz deutlich die Anlagenintensität dieses Geschäftsmodells und die damit verbundene Notwendigkeit permanenter Investitionen in moderne Technik. Neben dem bereits erwähnten Pisten-Bulli finden sich hier mehrere Schlepper, Kipplaster, Unimogs, Traktoren, Stapler, Teleskoplader und vieles mehr. Insgesamt ein Fuhrpark mit weit über 20 unterschiedlichen Nutzfahrzeugen.

Der intensive Einsatz moderner und hochwertiger Technik bedeute aber auch Geräte, Maschinen und Fahrzeuge kontinuierlich zu pflegen und zu überholen, erklärt Lukas Huber. Dabei verursache der Reparaturbedarf, bzw. der Austausch oder Einbau von Maschinenteilen ein entsprechendes Kostenvolumen. Aber auch hier wurde eine kreative Lösung gefunden, beantwortet Lukas Huber meine Frage nach der Bewältigung dieses Problems. Zwei der im Betrieb tätigen Teilzeitkräfte seien Landmaschinenmechaniker, einer davon sogar Meister.

Knackpunkt Pachtflächen

Nachdem der Maschinenpark und die damit verbundene Technikbeherrschung als über die Erfahrungsjahre perfektioniert anzusehen sind, ist die größere Herausforderung aktuell wohl im Wettbewerb um geeignete Pachtflächen zu sehen. Aufgrund der großen Nachfrage der Hopfenbauern nach Pachtflächen, sind die Pachten für optimale Flächen mittlerweile auf ein Niveau angestiegen, das einen wirtschaftlichen Anbau für die Silage-Produktion zunehmend nicht mehr ermöglicht.

Aber auch auf diese Herausforderung wurde durch die Unternehmerfamilie Huber mit einer kreativen, intelligenten Lösung reagiert. So wurden hier eine Vielzahl von Teilflächen (insgesamt über 200 Flurnummern für 500 Hektar Gesamtfläche) gepachtet die auf Grund ihre Größe oder Form für den Hopfenanbau nicht interessant oder geeignet sind. Statt 1.500 EUR Pacht je Hektar fallen so nur um die 650 EUR Pacht je Hektar an.

Da diese vielen und überwiegend auch noch ungünstig geschnittenen Teilflächen, entsprechend nur bei geringerer Effizienz bzw. mit höherem Kostenanfall bewirtschaftet werden können, war der Betrieb entsprechend gezwungen, Lösungen zu finden, die eine wirtschaftliche Nutzung dieser Flächen dennoch ermöglichen. Im Zuge dieser Optimierungen zur Nutzung nachteiliger Sonderflächen, entwickelte die Firma so aber auch sehr spezifische Fachkenntnisse in den Bereichen Entwässerung und Entschlammung, die sicherlich auch für andere Betriebe sehr hilfreich und wertvoll sein könnten. Die Hubers geben gerne Auskunft über ihre Erfahrungen.